Kernleitbild des Kindergartens

Grundsätzliches zu unsrer Arbeit im Waldorfkindergarten Wichtelkinder

Kinder kommen als Individualitäten zur Welt, die sich mit ihren Begabungen, Neigungen, Interessen und auch Handicaps entwickeln und ihren eigenen Weg gehen wollen. Um diesen Prozess so gut wie möglich zu gestalten, brauchen sie kompetente erwachsene Vorbilder, liebevolle und sichere Beziehungsverhältnisse und ihre eigene Entwicklungszeit. Kinder gehören nicht in das Zeitraster der Erwachsenenwelt und auch nicht in deren politische oder wirtschaftliche Zweckvorstellungen. Kinder sind lernfähige, lernfreudige und lernbereite Wesen. Ihre Entwicklungsfenster sind gerade in den ersten Kindheitsjahren besonders weit geöffnet. Daraus entsteht die Verantwortung, ihre Lebenswelt so zu gestalten, dass sie sich gesund entwickeln und

  • die Welt in ihren Zusammenhängen erkennen lernen
  • Vertrauen in die eigenen wachsende Kräfte und Fähigkeiten bekommen
  • die Sinnhaftigkeit des eigenen Handeins, Fühlens und Denkens entdecken.

Die Zeit vor der Schule dient dazu, frei von schulischem Lernen so genannte Basiskompetenzen zu entwickeln, auf denen später die schulische Erziehung und Bildung aufbauen kann. Gerade diese Basiskompetenzen versetzen die späteren Jugendlichen und Erwachsenen in die Lage, die Leistungsanforderungen des Lebens zu meistern, schaffen erst die Fundamente für anschließende Differenzierung.

Basiskompetenzen, die bei uns gefördert werden

Körper- und Bewegungskompetenz

Körpergefühl und die Grob- und Feinmotorik entwickeln sich z. B. beim Laufen, Klettern, Seilspringen, beim Reigen, bei Fingerspielen, bei Spiel und Arbeit im Garten oder in der Küche.

Sinnes- und Wahrnehmungskompetenz

Pflege aller menschlichen Sinne z. B. bei den gemeinsam zubereiteten Speisen, der Echtheit der Spielmaterialien und der freudigen Atmosphäre beim Spielen und Arbeiten.

Sprachkompetenz

Gute sprachliche Vorbilder, deutliche, wortreiche und bildhafte Sprache, Lieder, Verse, Fingerspiele, Reime, tägliches Erzählen oder Vorlesen von sinnvollen Geschichten und Märchen, Kinder aussprechen lassen und Zeit zum Zuhören nehmen.

Phantasie- und Kreativitätskompetenz

Spielzeug und Spielmaterial, die phantasieanregend gestaltet sind, wie Steine, Bretter, Hölzer, Tücher, regelmäßige Spielzeiten in Garten und Wald, Rollenspiele, Puppenspiele, "Urtätigkeiten" wie Schuster, Schneider ,Schreiner spielend kennen lernen, anregende Geschichten hören und spielend umsetzen.

Sozialkompetenz

Gegenseitiges Helfen und Aufgaben übernehmen wie spülen, Tischdecken, den Kleineren helfen, Rollenspiele, geben und nehmen lernen, Erleben der Mitarbeit und Mitverantwortung der Eltern im Kindergarten z. B. Reparieren von Spielsachen oder Helfen bei der Festveranstaltung.

Motivations- und Konzentrationskompetenz

Selbst gestaltete Spiele, Spielzeug, das zur Eigenaktivität anregt, Arbeiten ganzheitlich ~ von Anfang bis Ende kennen lernen und selber ausprobieren wie backen, waschen, färben, Gartenarbeit.

Ethisch- moralische Wertekompetenz

Orientierung gebende Geschichten, Feste vorbereiten und feiern, liebevoller Umgang mit der Natur, Erleben des Engagements der Erwachsenen, praktizierte Nächstenliebe, Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft, Achtung des anderen.

Waldorferziehung im Detail

Grundlagen und Grundanliegen des Waldorfkindergartens

(Auszüge aus "Vom Waldorfkindergarten", Studienheft der internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten)

Grundmotive der Erziehung im Waldorfkindergarten

  • Erziehung ist im Kern Gestaltung der Begegnung von Ich zu Ich.
  • Erziehung der Kinder bedingt die Selbsterziehung des Erziehers.
  • Anthropologie und Entwicklungspsychologie sind keine statischen Größen, die in der Vergangenheit für die jeweilige Gegenwart beschrieben sind, sie haben nur Bedeutung, wenn sie immer wieder neu entstehen.

Erziehung und Forschung sind keine getrennten Vorgänge. Der Forscher ist persönlich am praktischen Geschehen beteiligt, wenn die individuell-geistige Seite des Menschen konkret und ernst genommen sein will.

Erziehung im Kindergarten heißt besonders Pflege des freien Spiels

  • Die Individualität und Persönlichkeit des Kindes offenbart sich am deutlichsten im freien Spiel.
  • Dass das Kind sich frei und absichtslos spielend mit der Welt verbinden kann, verlangt erzieherische Gestaltung der Umgebung des Kindes.
  • Das Kind benötigt eine räumlich-materielle Umgebung, die „in Ordnung“ ist und dadurch Sicherheit verleiht.
  • Das Kind benötigt eine materielle Umgebung, die nicht in funktionale Abhängigkeit drängt. Besonders anregend ist deswegen die natürliche Umgebung, da Natur frei von Funktionen ist.
  • Das Kind benötigt einen verlässlichen Rhythmus in seinem Leben, da dieser Sicherheit verleiht und das Kind spontan handeln lässt.
  • Das Kind steht in enger Beziehung zu den ihm verbundenen Erwachsenen und ist angewiesen auf die Gestaltung eines Freiraums, den diese schaffen und vorbilden.
  • Vorbild und Nachahmung sind die „Zauberworte“, die dieses Verhältnis charakterisieren.

Lernen im Waldorfkindergarten

  • Der Waldorfkindergarten versteht sich als „unmittelbarer Lernort“.
  • Das Kind lernt altersentsprechen, wenn das Leben um es herum Ausdruck von sinnvoller Gestaltung ist, in der Erscheinung und innewohnendes Wesen, zum Beispiel Handlung und Intention des Menschen identisch sind.
  • Das Kind ist ganz „Sinnesorgan“.
  • Heiterkeit und Freude am Leben sind die entscheidenden Motivations- und Lernförderungen.

Soziale Aspekte des Waldorfkindergartens

  • Die Idee des Waldorfkindergartens hat ihre Wurzeln in der sozialen Gestaltung des zwischenmenschlichen Lebens.
  • Der Waldorfkindergarten versucht Gesetzmäßigkeiten des Sozialen zu beachten.
  • Pädagogische Initiative verlangt einen Raum der freien Gestaltung.
  • Die Motive des pädagogischen Handelns urständen in den Bedürfnissen der anderen Menschen. Sie benötigen eine geschwisterliche Gesinnung.
  • Spielregeln, Absprache, Statuten etc. müssen von den Menschen formuliert werden, die betroffen sind. In dieser Gestaltung sind alle Beteiligten gleich.
  • Der Waldorfkindergarten erneuert immer wieder seinen sozialen Auftrag mit der erlebten Veränderung der Bedürfnisse der Kinder und Familien.
  • Der Waldorfkindergarten will eine „Keimzelle der Kulturerneuerung“(Steiner) sein.